Der deutsche Lederwarenfachhandel hat sich im letzten Jahr trotz zum Ende eingetrübter Konsumstimmung erfolgreich behauptet. Der BLE schätzt, dass der Fachhandel nach einem insgesamt etwas schwächeren Weihnachtsgeschäft als 2007 den Vorjahres-Umsatz weitgehend halten konnte. Auch das Statistische Bundesamt hat aktuell für 2008 in seiner amtlichen 5%-Stichprobe nur ein ganz knappes Umsatzminus von 0,2 Prozent (vorläufig) für den Lederwarenfachhandel ausgewiesen.
Die Mehrheit der Branche ist mit ihrer Entwicklung in 2008 durchaus zufrieden. Allerdings steigt im Vergleich zu den Vorjahren die Zahl der Lederwarenhändler mit mehr oder weniger deutlichen Umsatzeinbußen. Die allgemeine Lage der Branche ist noch vergleichsweise gut, da sie in den vorangegangenen Jahren zum Teil hohe Steigerungsraten verzeichnen konnte, die deutlich über denen anderer Branchen lag. Schließlich waren Taschen und Accessoires über Jahre das führende Trendprodukt im gesamten modischen Handel.
Doch in diesem Jahr wird sich wohl auch der Lederwarenhandel nicht von der schwierigen gesamtwirtschaftlichen Lage abkoppeln können. Daher sind die Erwartungen des Handels für 2009 sehr verhalten. Nach einer BLE-Umfrage aus dem Februar rechnet ein Drittel der Lederwarengeschäfte in diesem Jahr mit einem starken Umsatzminus und rund 40 Prozent zumindest mit einem leichten Rückgang. Lediglich ein Viertel hofft auf stabile Umsätzen oder sogar auf einen leichten Zuwachs.
Tatsächlich war der Start in das Jahr 2009 in vielen Lederwarengeschäften enttäuschend. In den ersten beiden Monaten gab es zum Teil schmerzliche Umsatzeinbußen. Allerdings ist unklar, wie viel davon auf das widrige Wetter zurückzuführen ist, unter dem zuletzt auch die anderen modischen Branchen gelitten haben. Bei Eis und Schnee fehlte vielen Kunden einfach der Impuls zum Modeeinkauf. Das war im milden Februar 2008 noch ganz anders. Die Branche hofft deshalb, dass sie die verlorenen Umsätze im März zumindest teilweise wieder aufholt.
Holperig ist derzeit vor allem das Geschäft mit Reisegepäck. Dies ist angesichts der Buchungsrückgänge bei den Reiseveranstaltern kein Wunder. Wenn weniger verreist wird, sinkt auch der Bedarf an Gepäck. Nicht ganz einfach ist auch das Geschäft mit Businessartikeln, was sicherlich auf vermehrte Sorge um den eigenen Arbeitsplatz hindeutet. Bei Handtaschen fehlte bislang das passende Frühjahrswetter. Hoffnung macht dagegen aktuell der Freizeitbereich, wo z.B. Rucksäcke anscheinend eine Renaissance erleben.
Angesichts dieser Situation wird der Lederwarenfachhandel auf der Messe sicherlich etwas vorsichtiger ordern und sich für den Herbst Limite freihalten. Der Handel ist sich allerdings bewusst, dass er seinen Kunden auch im zweiten Halbjahr 2009 eine kompetente Auswahl bieten muss und nicht allein auf risikolose Ware setzen kann. Auch – oder gerade - in schwierigen Zeiten will der Kunde für sein Geld zumindest in der Mode das Neue und Besondere.
Die Marktdaten: Der BLE schätzt das Marktvolumen von Lederwaren in Deutschland auf rund 2,1 Mrd. EUR (Jahr 2008 zu Endverbraucherpreisen). Der spezialisierte Lederwarenfachhandel ist dabei unverändert der mit Abstand wichtigste Vertriebsweg für Lederwaren. Laut der letzten Umsatzsteuerstatistik gab es in Deutschland im Jahr 2006 insgesamt 1.919 selbständige Lederwarenfachgeschäfte, die zusammen einen Brutto-Umsatz von knapp 1,14 Mrd. EUR erzielt haben.
Köln, den 16. März 2009