Presseerklärung zur I.L.M. Summer Styles: Stabiles Geschäft mit Lederwaren

Der deutsche Lederwarenfachhandel geht mit Hoffnung und gedämpftem Optimismus in die letzten Monate des Jahres 2017. Ursache dafür sind die in diesem Jahr bislang ordentlichen Umsätze der Branche. „Der BLE schätzt, dass der Fachhandel per Ende Juli den recht guten Umsatz von 2016 gehalten hat“, berichtet BLE-Geschäftsführer Axel Augustin. Das vom Statistischen Bundesamt für das erste Halbjahr gemäß seiner 5%-Stichprobe errechnete vorläufige Umsatzplus in Höhe von 8,4 Prozent bewertet der BLE allerdings als deutlich zu hoch.

Allerdings sind nicht alle Lederwarengeschäfte gleich erfolgreich, da der Wettbewerb in den letzten Jahren kontinuierlich zugenommen hat. Speziell bei Handtaschen hat neben den expansiven Online-Anbietern von Amazon bis Zalando vor allem der Modefachhandel die Tasche als Sortimentsergänzung weiter ausgebaut. Der Gesamtumsatz mit Handtaschen dürfte zwar stabil geblieben sein, doch ist die Zahl der Marktteilnehmer eher weiter gewachsen. Vor allem kleinere Lederwarengeschäfte mussten in diesem härteren Konkurrenzumfeld mit verstärktem Preiswettbewerb daher Einbußen hinnehmen. Nachteilig für den klassischen Lederwarenfachhandel ist in diesem Zusammenhang, dass sich manche Trendmarken lieber im Fashionhandel präsentieren als beim Lederwaren-Vollsortimenter. Überdies hat der Trend zu Handtaschen aus PU die Durchschnittspreise oft unter 200 Euro gedrückt.

 

Das Reisegepäck bleibt dagegen weiterhin die Domäne des Lederwarenfachhandels. Dieser Markt hat sich auch in diesem Jahr dank der Reisefreudigkeit der Deutschen gut entwickelt. Erfreulich war zum Teil auch das Geschäft mit Schulartikeln, während sich der traditionelle Businessbereich etwas schwerer tat. Nach wie vor im Trend liegt der Casualbereich, wo vor allem Rucksäcke verstärkt nachgefragt wurden.

 

Insgesamt waren die Unterschiede zwischen den einzelnen Geschäften erneut groß. Schwächer abgeschlossen haben vor allem kleinere Geschäfte in schlechteren Lagen. Und davon gibt es in Deutschland nach wie vor sehr viele.

 

Ohnehin entwickeln sich kleinere Geschäfte schon seit einigen Jahren schlechter als der Markt und müssen deshalb immer öfter ihre Türen für immer schließen. Laut der letzten Umsatzsteuerstatistik für 2015 gab es in Deutschland insgesamt noch 1.402 Unternehmen im Lederwarenfachhandel. 2010 waren es noch 1.673, also über 270 mehr. Und im Jahr 2000 gab es sogar noch 2.414 Unternehmen, also über 1.000 mehr. Die Branche hat demnach seit der Jahrtausendwende rund 42 Prozent ihrer Unternehmen verloren.

 

Das klingt dramatisch und ist es im Einzelfall sicherlich auch. Es spiegelt allerdings eine Entwicklung wider, die nicht nur typisch für die Lederwarenbranche ist. Vergleichbare Trends gibt es auch im Textil- und Schuhfachhandel, selbst im Handwerk sind ähnliche Zahlen zu beobachten. Sie sind also nicht Folge eines unattraktiven Produktes oder einer schwachen Branche, sondern beruhen auf einem allgemeinen Trend zu größeren Unternehmen. Gerade kleinere Unternehmen haben bekanntlich immense Probleme, einen geeigneten Nachfolger zu finden, wenn der bestehende Inhaber aufhört. „Dass selbst Sohn oder Tochter auf die Übernahme verzichten, kommt leider immer öfter vor“, beklagt der BLE-Geschäftsführer.

 

Dass die Lederwarenbranche nicht unattraktiv ist, sieht man auch daran, dass sich die Umsätze in den letzten Jahren gut entwickelt haben. Weniger Unternehmen erzielen heute im Schnitt deutlich höhere Umsätze als noch vor fünf, zehn oder 15 Jahren. Zudem gibt es in der Lederwarenbranche zwar weniger Unternehmen, aber darunter mehr mittelständische Filialisten, so dass die Zahl der Läden, die schwerpunktmäßig Lederwaren verkaufen, längst nicht so stark geschrumpft sein dürfte.

 

Außerdem verkaufen immer mehr Geschäfte anderer Branchen im Randsortiment Lederwaren. Zu nennen sind neben Mode- und Schuhgeschäfte auch Konzeptläden, Geschenkshops, Schreibwarengeschäfte und Einrichtungshäuser, die Taschen, Kleinlederwaren und zum Teil sogar Gepäck aufgenommen haben. Insgesamt dürften damit in mehr als 3.000 Geschäften in Deutschland Lederwaren angeboten werden.

 

Auch der Online-Bereich dürfte in diesem Jahr wieder gewachsen sein. Genaue Daten liegen zwar nicht vor. „Der Marktanteil des gesamten Versandhandels am Lederwarenmarkt dürfte nach BLE-Hochrechnungen aber aktuell bei rund 20 Prozent liegen, wobei wohl mindestens 90 Prozent über das Internet läuft“, schätzt Augustin.

 

Auf die Wochen und Monate bis zum Jahresende kann die Lederwarenbranche durchaus hoffnungsfroh blicken. Angesichts der hohen Beschäftigungsquote in Deutschland sollte das Weihnachtsgeschäft für die Branche daher erfolgreich verlaufen. Dies ist für den Lederwarenfachhandel sehr wichtig, entfielen in den letzten Jahren doch über 13 Prozent des Gesamtumsatzes allein auf den Dezember. Und rund 30 Prozent des Umsatzes werden in den letzten drei Monaten erzielt.

 

Was den bevorstehenden Einkauf des Handels auf der ILM betrifft, so sind die zu treffenden Orderentscheidungen für 2018 nicht einfach. Gesucht werden attraktive Marken, die möglichst noch nicht zu breit distribuiert sind. Der Besuch der Messe ist dafür überaus wichtig und dient überdies dazu, im Kontakt mit Kollegen und Industrie die Situation zu beurteilen.

 

Die Marktdaten: Der BLE schätzt das Marktvolumen von Lederwaren in Deutschland auf rund 2,6 Mrd. EUR (Jahr 2016 zu Endverbraucherpreisen). Das betrifft alle Vertriebswege – vom Fachgeschäft über den Online-Handel bis zu den Lebensmitteldiscountern. Der spezialisierte Lederwarenfachhandel ist dabei nach wie vor der wichtigste Vertriebsweg.