BLE-Umfrage: Warenvernichtung ist die absolute Ausnahme!

Wenn Ware vom Lederwaren- und Schuhhandel nicht verkauft werden kann, so landet diese nur in absoluten Ausnahmefällen bei einem Entsorger. Dies hat eine aktuelle Umfrage ergeben, die der BLE zusammen mit den Handelsverbänden Schuhe (BDSE) und Textil (BTE) durchgeführt hat. Insgesamt beteiligten sich mehr als 200 Unternehmen an der Umfrage – darunter auch Warenhäuser und Versender sowie etliche große Unternehmen mit Umsätzen über 100 Mio. Euro. Aus dem Schuh- und Lederwarenhandel waren es über 60 Teilnehmer.

Auslöser der Umfrage waren Medienberichte über die (angebliche) massenhafte Vernichtung neuwertiger Produkte, insbesondere von Bekleidung und Mode. Als Folge kam es am 23. Januar 2020 im Berliner Bundesumweltministerium zu einer zweiten Dialogveranstaltung zum Thema „Vernichtung von gebrauchsfähiger Ware vermeiden“, an der auch der BTE teilgenommen hat. Die Umfrageergebnisse wurden in diesem Zusammenhang dem Umweltministerium zur Verfügung gestellt.

 

Die Daten liefern eine seriöse Basis für die politische Diskussionen rund um das neue Kreislaufwirtschaftsgesetz, das Mitte 2020 in Kraft treten soll. Denn darin sind Obhutspflichten vorgesehen, die u.a. die Rücknahme, die Wiederverwendung und die Verwertung von Waren sowie Kostenbeteiligungen bei Umweltmaßnahmen regeln. Besonders im Fokus stehen dabei Textilien und Elektronikartikel. Details zu den Anforderungen und Pflichten werden dann in einer nachgelagerten Verordnung geregelt.

 

Im Folgenden die wichtigsten Ergebnisse der Befragung:

  • Die Hälfte aller Umfrageteilnehmer aus dem Textil-, Schuh- und Lederwarenhandel konnte die gesamte eingekaufte Ware an ihre Kunden verkaufen oder zumindest an die Lieferanten zurückgeben. Bei der anderen Hälfte lagen die Restbestände bei rund drei Prozent, so dass im gesamten Umfragepanel im Durchschnitt der beiden letzten Jahre lediglich 1,5 Prozent der angebotenen Ware nicht verkauft wurde. Im Lederwaren- und Schuhhandel waren es sogar nur 1,1 Prozent.
  • Die im Schuh- und Lederwarenhandel übrig gebliebene Ware wurde zu rund drei Vierteln (= 0,8 Prozent) an gemeinnützige Organisationen gespendet. 0,1 Prozent landeten bei einem Aufkäufer bzw. Sonderpostenhändler und nur 0,2 Prozent bei einem Entsorger/Recycler.
  • Hauptgrund für Entsorgung bzw. Recycling von Ware ist die Beschädigung oder Verschmutzung durch den Kunden (68 Prozent). Weitere wichtige Gründe sind Mängel an der Ware (16 Prozent), lediglich bei weiteren 16 Prozent der Teilnehmer ist der weitere Verkauf wirtschaftlich unrentabel.
  • Bei der Frage nach geeigneten Maßnahmen zur Vermeidung von Warenvernichtung regte eine Mehrheit der Umfrageteilnehmer aus dem Schuh- und Lederwarenhandel an, die Spendenfähigkeit zu erleichtern und kostenfreie Online-Retouren gesetzlich zu verbieten.

Fazit: Die Vernichtung von unverkaufter Ware ist im Schuh- und Lederwarenhandel extrem selten. Von 1.000 angebotenen Artikeln können gemäß der Umfrage statistisch lediglich 11 nicht an Kunden verkauft oder an den Lieferanten zurückgegeben werden. Von diesen 11 werden 8 vom Handel an gemeinnützige Organisationen gespendet und eines landet bei einem Aufkäufer oder Sonderpostenhändler. Lediglich die restlichen beiden werden entsorgt oder recycelt, wobei es sich oftmals um beschädigte, verschmutzte oder Ware mit anderweitigen Mängeln handeln dürfte, die tatsächlich nicht verkauft werden kann oder darf.