Verkauf über Plattformen: Genau rechnen!

Immer mehr Lederwarenhändler versuchen, ihren Umsatz zu stabilisieren oder sogar zu steigern, indem sie ihre Ware (zusätzlich) über Plattformen verkaufen. Ob sich dies letztendlich rechnet, wird allerdings selten genau hinterfragt oder analysiert. Im Folgenden dazu eine Beispielrechnung aus dem Modehandel, die auch für den Lederwarenhandel eine Entscheidungshilfe darstellt:

Bei einem Verkauf über eine Online-Plattform zu einem Preis von 80 Euro fallen bei einer fast reinen Grenzkostenbetrachtung Kosten in Höhe von 48,9 Prozent an. Im Einzelnen sind das: Plattformprovision (15 Prozent), Mindestporto (4,8 Prozent), Handlingkosten (6,0 Prozent), Retourkosten (5,1 Prozent), MwSt. (16,0 Prozent) und Wareneingangskosten (2,0 Prozent).

 

Liegt der Verkaufspreis höher, so sinken die anfallenden, relativen Kosten wegen einiger fixer Posten (z.B. Handling, Porto). Umgekehrt steigen sie bei niedrigeren Bons. Bei einem Warenkorb von 60 Euro liegen die relativen Kosten in obiger Rechnung z.B. bei 54,3 Prozent.

 

Das bedeutet: Bei einer Vollkosten-Betrachtung ist der Verkauf über Plattformen betriebswirtschaftlich kaum sinnvoll. Dieser Vertriebsweg wäre damit allenfalls als Notmaßnahme zur Veräußerung des Warenlagers bzw. zur primären Liquiditätsgewinnung zu empfehlen. Anders sieht es eventuell bei einer Teilkosten-Rechnung aus, wenn für die Online-Aktivitäten z.B. freie personelle/zeitliche Kapazitäten (für Handling etc.) eingesetzt werden, die nicht sinnvoll eingespart oder anderweitig eingesetzt werden können. Dann könnte der Plattform-Vertrieb zumindest für einen positiven Deckungsbeitrag sorgen.

 

Vor der Entscheidung sollte man auf jeden Fall die vertraglichen Vorgaben der Plattformen für sich bewerten. Zu beachten sind z.B. die Vertragslaufzeit, Kündigungsmöglichkeiten und ggf. Restriktionen gegenüber anderen Verkaufswegen bzw. Plattformen. Kritisch zu bewerten ist sicherlich, dass manche Plattformen (z.B. Amazon) die Kundendaten der angeschlossenen Händler für sich nutzen und dessen Kunden mit Rabatten abwerben. Dieser Gefahr muss sich jeder teilnehmende Lederwarenhändler bewusst sein!