Kaum Infektionsrisiko beim Mode-Shopping!

Angesichts steigender Inzidenzen und der politischen Bemühungen um ein verschärftes Infektionsschutzgesetz drohen dem stationären Textil-, Mode- und Lederwarenhandel weitere Verschärfungen. Vor diesem Hintergrund kämpft der BLE zusammen mit dem HDE und der gesamten Einzelhandelsorganisation weiterhin vehement dafür, dass die Politik endlich wirksame Maßnahmen beschließt und nicht entgegen wissenschaftlichen Erkenntnissen immer wieder den Handel ins Visier nimmt.

Wichtigstes Argument ist die Tatsache, dass das Einkaufen im Einzelhandel kein erhöhtes Infektionsrisiko darstellt, die Schließung des betroffenen Non-Food-Fachhandels also keinen sinnvollen Beitrag zur Bekämpfung der Pandemie leistet. So hat es seit März 2020(!) keinen Corona-Ausbruch bei den rund drei Millionen Beschäftigten im Einzelhandel gegeben. Zudem hat die Berufsgenossenschaft für Handel und Warenlogistik (BGHW) sowie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) Ende 2020 in einer gemeinsamen Untersuchung sogar ein unterdurchschnittliches Infektionsrisiko für die Mitarbeiter festgestellt.

 

Auch für die Kunden ist das Infektionsrisiko beim Einkauf im Einzelhandel gering. Mehrere wissenschaftliche Untersuchungen vom Robert-Koch-Institut (RKI) und der Technischen Universität (TU) Berlin belegen, dass das Shopping mit Maske und einer Begrenzung auf eine Person pro 10 qm Verkaufsfläche kaum Ansteckungsgefahren birgt. So heißt es in einer aktuellen Untersuchung von Verkehrswissenschaftlern der TU: „Eine Schließung des Einzelhandels, welcher bereits durch Masken, Schnelltests und reduzierte Personendichte abgeschirmt wird, bewirkt in unseren Simulationen keinen messbaren Unterschied“. Zudem haben ganz aktuell Aerosol-Forscher die Politik vor falschen Pandemie-Maßnahmen gewarnt. Danach besteht die mit Abstand größte Ansteckungsgefahr bei längeren Aufenthalten in geschlossenen Räumen, also im privaten Bereich, in Großraumbüros, Wohnheimen oder in Schulen.

 

Überdies entsprechen speziell im Textil-, Mode- und Lederwarenhandel die Annahmen zum Shopping-Verhalten nicht der Realität. Der BLE hat recherchiert, dass die Forscher von RKI und TU bei ihren Modellen zum situationsbedingten R-Wert im Nonfood-Fachhandel von einer Einkaufdauer von zwei Stunden ausgehen (bei Lebensmitteln eine Stunde). Gemäß einer aktuellen BLE-Umfrage liegt die Besuchsdauer der Kunden derzeit aber in der Regel nur zwischen 30 und 60 Minuten, und zwar sowohl in kleinen Fachgeschäften als auch in großen Modehäusern. Außerdem wird nur extrem selten die bei der Studie angesetzte Grenze von einem Kunden pro 10 qm erreicht. Auf Nachfrage des BLE hat eine Verfasserin der Studie bestätigt, dass der R-Wert beim derzeitigen Shopping im Textil- und Modehandel damit entsprechend deutlich niedriger als der bislang errechnete und publizierte Wert von 1,1 ist. Nach BLE-Schätzungen dürfte der R-Wert in der Realität aktuell bei maximal 0,5 liegen. Die Studie ist unter https://depositonce.tu-berlin.de/handle/11303/12578.2 veröffentlicht.

 

Der BLE regt an, die wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Infektionsrisiko beim Mode-Einkauf immer wieder gegenüber den eigenen Kunden zu kommunizieren und damit Fehleinschätzungen vorzubeugen. Der BLE und vor allem der HDE haben dies schon mehrfach in Pressemitteilungen getan, in den Medien und auch von der Politik wird dies jedoch oft ignoriert. Es ist daher zu befürchten, dass viele Kunden das Infektionsrisiko beim Mode-Shopping weiterhin als zu hoch einschätzen!